FALL:
Bei Brandeinsatz mit Fuß durch Decke gebrochen
EREIGNIS
In einem Altstadtgebäude wurden durch einen Atemschutztrupp Nachlöscharbeiten im ersten Obergeschoss durchgeführt. In einem der betroffenen Räume war der Boden mit Holzdielen ausgestattet. Nachdem sich der Trupp in Richtung Raummitte begeben hatte, brach der neben dem Strahlrohrführer positionierte Truppführer durch die Dielen ein und konnte sich lediglich durch Abstützen an zwei Deckenbalken vor einem vollständigen Durchsturz schützen. Der Strahlrohrführer unterstützte den Truppführer anschließend beim Herausklettern.
Im Nachgang wurde festgestellt, dass der Brand infolge eines defekten Kabels im Bereich unterhalb der Dielen (in einer Zwischendecke) entstanden war. Durch den Schwelbrand waren die Holzdielen von unten geschwächt, was letztlich zum Versagen der Tragfähigkeit führte
FACHKOMMENTAR
Insbesondere im Innenangriff muss eine Beurteilung der möglichen Gefahren durch den vorgehenden Trupp eigenständig erfolgen. Die diesbezüglich gemachten Beobachtungen und Erkenntnisse müssen zum Eigenschutz und zum Schutz nachfolgender Einsatzkräfte zur Einsatzleitung durchgestellt werden.
Vorgehende Trupps sind besonders gefährdet, wenn sie sich im unbekannten Gebäude aufgrund unzureichender Sicht durch Rauch und Wasserdampf nicht mehr orientieren können. Welche Gebäudeteile (z. B. Holzbalken, Stahlträger oder Stahlbeton) durch Hitzeeinwirkungen an Tragfähigkeit verloren haben ist nicht immer erkennbar. Wichtig ist daher das langsame und behutsame Vorgehen im Seitenkriechgang. Der Boden vor einem kann dann mit dem Bein abgetastet werden, wobei der Körperschwerpunkt hinten bleibt. Somit kann die Gefahr eines Absturzes minimiert werden. Eine Wärmebildkamera kann zusätzlich bei der Identifikation solcher Gebäudeteile unterstützen.
Mit dem Einbringen von Löschwasser können Baumaterialien (z. B. Lehmwickel) ausgespült werden; die Gebäudekonstruktion wird möglicherweise instabil. Auch können größere Mengen Löschwasser durch quellfähige Stoffe (z. B. Dämmstoffe) aufgesaugt werden. Lasten, welche auf die Gebäudekonstruktion wirken, werden größer.
Verhaltensregeln
Und die korrekte Vorgehensweise, die einen Durchsturz bzw. Absturz vermeiden können, müssen Bestandteil der Ausbildung sein.
Dieses Fallbeispiel beruht auf anonymen Schilderungen. Hier gegebene Handlungsempfehlungen befreien nicht von der Pflicht zur Beachtung der Unfallverhütungsvorschriften und des sicherheitstechnischen Regelwerks.